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Der "Prager Frühling" und die Reaktion Österreichs
Österreich und die CSSR-Krise
Die Wahrnehmung der Krise

Die militärische Führung Österreichs hatte angesichts der bedrohlichen politischen Lage in der Tschechoslowakei bereits früh entsprechende Maßnahmen eingeleitet, um einer eventuellen Bedrohung wirkungsvoll entgegentreten zu können. Schon am 13. Mai 1968 – mehr als drei Monate vor der Eskalation der CSSR-Krise – besprachen der damalige österreichische Verteidigungsminister Georg Prader, Generaltruppeninspektor General Erwin Fussenegger und der Befehlshaber des betroffenen österreichisch-tschechoslowakischen Grenzgebietes, General Leo Waldmüller, die Lage.(39) Für das Bundesheer war die Situation insbesondere für den Fall einer Eskalation am Wochenende kritisch, da man an diesen Tagen nicht auf die benötigten Truppen zurückgreifen hätte können. Dieser Umstand konnte aus politischen Gründen auch nur schwer entschärft werden, da es, um eine weitere Verschärfung der Lage zu verhindern, nicht ratsam war, das Bundesheer in eine erhöhte Alarmbereitschaft zu versetzen. Um dennoch eine Verfügbarkeit der benötigten Truppen zu gewährleisten, erteilte Verteidigungsminister Prader die Weisung, für die folgenden zwei Monate jeweils an Samstagen, Sonntagen und Feiertagen an den grenznahen Truppenübungsplätzen Allentsteig und Bruck/Leitha entsprechende Truppenverbände – offiziell zu Übungszwecken – einsatzbereit zu halten.(40)

Zwei Monate später, am 23. Juli 1968, die Situation hatte sich weiter zugespitzt, kam es zu einer Besprechung zwischen Vertretern des Verteidigungs- und des Innenministeriums, um für den Fall eines bewaffneten Konfliktes die notwendigen Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der österreichischen Sicherheit zu beraten und zu koordinieren. Tags darauf, am 24. Juli 1968, wurden in der Weisung "Urgestein" konkrete vorbereitende Maßnahmen der Exekutive und insbesondere auch solche zur Grenzsicherung durch das österreichische Bundesheer beschlossen.(41) Damit lag bereits einen Monat vor dem sowjetischen Einmarsch in die CSSR ein Einsatzplan für das österreichische Bundesheer vor.(42)

Während die militärische Führungsspitze Österreichs schon Wochen vor der Eskalation der Krise entsprechende Maßnahmen ergriff und auf den Ernst der Lage hinwies, stieß die Ansicht, dass es zu einer gefährlichen bewaffneten Auseinandersetzung an Österreichs Grenzen kommen könnte, bei den politischen Entscheidungsträgern auf Unglauben. "Die Unterschätzung des sowjetischen imperialen Sicherheits- und Hausmachtdenkens"(43) zeigte sich nicht zuletzt an dem Eingeständnis des damaligen österreichischen Außenministers Kurt Waldheim, der am 10. September 1968 vor dem Ministerrat erklärte, dass "die militärische Intervention der Sowjetregierung in der Tschechoslowakei für uns [...] überraschend kam."(44) Zusätzlich weilten viele hochrangige Politiker zum Zeitpunkt des sowjetischen Einmarsches auf Urlaub und waren nur sehr schwer erreichbar, was die damalige Sorglosigkeit der politischen Führung Österreichs deutlich zum Ausdruck bringt.

Zusammenfassend kann man feststellen, dass die Wahrnehmung der Krise in Österreich auf militärischer und politischer Ebene höchst unterschiedlich ausfiel.
  ÜBERSICHT

INHALTSVERZEICHNIS

DER "PRAGER FRÜHLING"

ÖSTERREICH UND DIE CSSR-KRISE DIE WAHRNEHMUNG DER KRISE
21. AUGUST 1968
DIE SITUATION ESKALIERT
ALLGEMEINE BETRACHTUNG DER
REAKTION ÖSTERREICHS

ZUSAMMENFASSUNG