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Der "Prager Frühling" und die Reaktion Österreichs
Einleitung
Das Jahr 1968 verlief in Österreich, abgesehen von verschiedenen, dem damaligen Zeitgeist zuwiderlaufenden Aktionen der 68er-Bewegung, allen voran des Wiener Aktionismus, recht friedlich. Wien freute sich nach einem Gemeinderatsbeschluss auf den Bau der U-Bahn und Österreich diskutierte angeregt, ob die Disqualifikation von Karl Schranz bei den Winterspielen von Grenoble gerechtfertigt war oder nicht. Bundespräsident Franz Jonas reiste im Mai zur Unterzeichnung eines Abkommens über wirtschaftliche und wissenschaftliche Zusammenarbeit nach Moskau, nichts ahnend, dass seine sowjetischen Gastgeber gerade die größte Militäraktion der Nachkriegsgeschichte vorbereiteten. Am 21. August 1968 marschierten die Streitkräfte von fünf verbündeten Warschauer-Pakt-Staaten in die Tschechoslowakei ein und beendeten das tschechoslowakische Experiment eines "Sozialismus mit menschlichem Antlitz", das unter der Bezeichnung "Prager Frühling" in die Geschichte einging. Österreich geriet damit zum zweiten Mal seit der Wiedererlangung der staatlichen Souveränität in die schwierige Lage, dass eine in unmittelbarer Nachbarschaft auftretende Krise militärisch eskalierte (Ungarn 1956, CSSR 1968). Die auf Neutralität beruhende Außenpolitik Österreichs wurde – angesichts der an den österreichischen Grenzen stehenden Roten Armee – erneut auf eine harte Probe gestellt. Zu Inhalt und Aufbau der Arbeit: Die vorliegende Arbeit besteht aus zwei Teilen, wobei im Zuge des ersten Kapitels das Phänomen "Prager Frühling" sowie dessen gewaltsame Niederschlagung behandelt werden. Der "Prager Frühling" bedeutet eine entscheidende Zäsur in der Entwicklung des Weltkommunismus, die bis dahin trotz gewisser Probleme insgesamt positiv verlief, 1968 jedoch einen großen Rückschlag erlitt und in weiterer Folge, bis zum Zusammenbruch des sozialistischen Weltsystems im Jahre 1989, immer häufiger mit Zerfallserscheinungen und einer tiefen Vertrauenskrise konfrontiert wurde. Der zweite Teil meiner Arbeit konzentriert sich auf die Rolle und das Verhalten Österreichs im Zuge der CSSR-Krise. Während österreichische Militärs schon Wochen vor der Eskalation auf den Ernst der Lage hinwiesen, wurde die politische Führung Österreichs von den Ereignissen überrascht. Das Krisenmanagement der Regierung Klaus zeigte dilettantische Züge und war verglichen mit der Ungarnkrise des Jahres 1956 wenig couragiert. Österreich befand sich im Spätsommer 1968 am Rande eines Krieges, glückliche Umstände bewahrten das Land vor einer Tragödie großen Ausmaßes.

In der Geschichte der Zweiten Republik kam es dreimal zu gefährlichen Auseinandersetzungen in unserer unmittelbaren Nachbarschaft – Ungarn 1956, CSSR 1968, Jugoslawien 1991. Jede dieser Krisen führte innerhalb von nur wenigen Wochen zu einer militärischen Bedrohung zumindest von Teilen unseres Staatsgebietes. Allen Unkenrufen zum Trotz war das Bundesheer jedes Mal zur Stelle – mit Einschränkungen bei der CSSR-Krise – um eine glaubwürdige Grenzsicherung aufzubauen und ein Übergreifen der Kampfhandlungen auf österreichisches Gebiet zu verhindern. Dass diese Einsätze des Öfteren improvisiert und aufgrund des mangelhaften Zustandes der österreichischen Streitkräfte nur in beschränktem Maße möglich waren, steht auf einem anderen Blatt. Es gehört wohl zu den Eigenarten unserer Republik, dass die Sicherheit Österreichs in regelmäßigen Abständen zum Spielball teils grotesker politischer Auseinandersetzungen wird. Neben einer allgemeinen Darstellung des "Prager Frühlings" soll der Leser, anhand der Ereignisse von 1968, auch dahingehend animiert werden, sich selbst Gedanken über die österreichische Sicherheitspolitik der letzten Jahre zu machen und sie, auch oder vor allem in Bezug auf gegenwärtige Ereignisse, kritisch zu hinterfragen.
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DER "PRAGER FRÜHLING"
 
       
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