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Der "Prager Frühling" und die Reaktion Österreichs
Der "Prager Frühling"
Das Ende des "Prager Frühlings" und seine Auswirkungen

Bei den internationalen kommunistischen Organisationen und Bewegungen löste die gewaltsame Niederschlagung des "Prager Frühlings" heftige Diskussionen und höchst unterschiedliche Reaktionen aus.(35) Die Tatsache, dass Warschauer-Pakt-Truppen in ein verbündetes Land einmarschierten, war für viele Kommunisten und Freunde der UdSSR, die es in großer Zahl auch im Westen gab, schockierend.

"Das Bild vom Sozialismus als einer dem Kapitalismus zumindest moralisch überlegenen Gesellschaftsordnung bekam einen unübersehbaren Sprung. In der Geschichte der kommunistischen Parteien Westeuropas bildeten die Augustereignisse von 1968 einen tiefen Einschnitt. Sie waren der Beginn einer fast irreparablen Vertrauenskrise zur Politik der KpdSU und des 'real existierenden Sozialismus' insgesamt."(36)

Obwohl die Reaktion der westlichen Staaten auf die sowjetische Intervention durchgehend ablehnend war und zahlreiche Regierungen die Niederschlagung des "Prager Frühlings" als einen Gewaltakt, der die Souveränität der CSSR verletzte, verurteilten, begaben sich die Westmächte gegenüber der UdSSR schnell wieder auf einen Versöhnungs- und Friedenskurs. Entscheidend war letztlich nur, dass das Gleichgewicht der Kräfte erhalten blieb und die westliche Einflusssphäre in Europa nicht verletzt wurde.

In den ersten Tagen und Wochen nach dem Einmarsch kam es im tschechoslowakisch-sowjetischen Verhältnis verständlicherweise zu keinerlei Entspannung. Eine relative Ruhe war zwar hergestellt, die Reformen waren gestoppt, doch der passive Widerstand der tschechoslowakischen Bevölkerung ging weiter. Tragischer Höhepunkt war dabei die Selbstverbrennung des 21jährigen Studenten Jan Palach im Jänner 1969 am Prager Wenzelsplatz.(37) Die Partei- und Staatsführung der CSSR, die offiziell noch im Amt, zwischenzeitlich verhaftet, bald jedoch wieder freigelassen wurde, verlor nach und nach an Einfluss. In den Verhandlungen mit der Moskauer Führung wurde bald deutlich, dass die Tage der Ära Dubcek gezählt waren. Auf Druck Moskaus wurden schrittweise die Errungenschaften des "Prager Frühlings" rückgängig gemacht, wobei deutliche Anzeichen dafür die schon wenige Wochen nach der sowjetischen Intervention wiedereingeführte Pressezensur und personelle Umbesetzungen in der Prager Führungsspitze waren. Am 26. September 1968 erfolgte eine Veröffentlichung in der sowjetischen Tageszeitung Prawda, die von einer "beschränkten Souveränität" der sozialistischen Länder sprach und die neben anderen Stellungnahmen in den Herbstmonaten des Jahres 1968 als sogenannte "Breshnew-Doktrin" in die Geschichte einging. Aus einer Rede Breshnews, die er am 12. November 1968 auf dem V. Parteitag der Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei hielt, geht der Inhalt dieser Doktrin deutlich hervor:

"[...] wenn innere und äußere, dem Sozialismus feindliche Kräfte die Entwicklung eines sozialistischen Landes zu wenden und auf eine Wiederherstellung der kapitalistischen Zustände zu drängen versuchen, wenn also eine ernste Gefahr für die Sache des Sozialismus in diesem Lande, eine Gefahr für die Sicherheit der ganzen sozialistischen Gemeinschaft entsteht – dann wird das nicht nur zu einem Problem für das Volk dieses Landes, sondern auch zu einem gemeinsamen Problem, zu einem Gegenstand der Sorge aller sozialistischen Länder."(38)

Damit wurde von sowjetischer Seite nicht nur der Einmarsch in die CSSR nachträglich gerechtfertigt, sondern auch ein deutliches Signal an die sozialistischen "Bruderländer" gesendet. Ein sozialistischer Sonderweg kam für die Moskauer Führung in der sowjetischen Einflusssphäre nicht in Frage.

Am 18. Oktober 1968 trat in der Tschechoslowakei ein Truppenstationierungsvertrag in Kraft, der vorsah, dass die UdSSR auf unabsehbare Zeit eigene Truppenverbände in der CSSR stationieren durfte. Während schon bald sämtliche aus Polen, Ungarn, Bulgarien und der DDR stammende Truppenkörper die Tschechoslowakei wieder verließen, blieben zehntausende sowjetische Soldaten in der CSSR zurück. Mehr als zwei Jahrzehnte lang, bis zur politischen Wende des Jahres 1989, sollten sie ein Symbol der Niederschlagung des "Prager Frühlings" und der eingeschränkten Souveränität der CSSR bleiben.

Am 17. April 1969 wurde der nur noch eingeschränkt handlungsfähige Alexander Dubcek von der Parteispitze abgewählt, womit die Symbolfigur des "Prager Frühlings" von der politischen Bühne verschwand. Dubcek wurde in weiterer Folge im Sommer 1970 – wie tausende seiner Genossen, die im Verdacht standen, hinter der Prager Reformbewegung gestanden zu haben – gänzlich aus der Partei ausgeschlossen.

Der Schlussakt erfolgte schließlich im Mai 1971, als am XIV. Parteitag der KPTsch die Zerschlagung der Ideen und Maßnahmen des "Prager Frühlings" sowohl in der Partei, als auch im Land offiziell festgestellt wurde. Die Tschechoslowakei beschritt damit erneut einen sozialistischen Weg sowjetischer Prägung. Der "Prager Frühling" war zu Ende.
  ÜBERSICHT

INHALTSVERZEICHNIS

EINLEITUNG

DER "PRAGER FRÜHLING"
ALEXANDER DUBCEK UND DIE IDEE
VOM "SOZIALISMUS MIT
MENSCHLICHEM ANTLITZ"
DIE MILITÄRISCHE INTERVENTION
DES WARSCHAUER PAKTES
DAS ENDE DES "PRAGER
FRÜHLINGS" UND SEINE
AUSWIRKUNGEN


ÖSTERREICH UND DIE CSSR-KRISE
 
     
       
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