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Die Schweiz im Zweiten Weltkrieg
Schweizerische Formen des Widerstandes
      Offiziersverschwörung

Innerhalb der Armee gab es, wie auch in allen anderen Schichten, eine nicht zu ignorierende Anzahl von Leuten, die vom Endsieg der Deutschen überzeugt waren und daher nicht an die Sinnhaftigkeit von Widerstand in irgendeiner Form glaubten. Stattdessen waren sie überzeugt, dass es besser wäre zu kooperieren und sich so einen – erträglichen - Platz im neuen Europa zu sichern. Für die Armee bedeutete so ein Ablehnen von Widerstand Ablehnung der militärischen Verteidigung im Falle einer deutschen Okkupation, mit anderen Worten, Kapitulation ohne Gegenwehr.

1940 musste es vielen, die nicht auf Widerstand verzichten wollten, so erscheinen, als ob sie immer mehr auf verlorenen Posten standen. Die Fronten erlebten einen neuen Aufschwung, am 20. Juni hatte der General das Ende des Neutralitätsschutzes im Luftraum befohlen, sodass nur noch Bodenbatterien der Fliegerabwehr eingesetzt werden durften, am 7. Juli erfolgte die partielle Demobilmachung.(62) Aus Angst vor der ominösen „Fünften Kolonne“ hatten Schweizer begonnen aus eigenem Antrieb geheime zivile Selbstschutzgruppen zu bilden, um ihre Gemeinden gegebenenfalls verteidigen zu können.(63) Im Sommer 1940 wurden dann auch die offiziellen Ortswehren aufgestellt.(64)

Auch in der Armee selbst entstand eine geheime Verschwörung von Männern, die entschlossen waren, auf jeden Fall bei einem deutschen Angriff zu kämpfen, gegebenenfalls auch entgegen eines Kapitulationsentschlusses des Bundesrats und auch gegen den Befehl des Generals, falls dieser sich auf die Seite des Bundesrats stellen würde. Die Angst vor einem möglichen Zusammenbrechen des Bundesrats unter deutschem Druck war langfristig durch dessen Politik der Beschwichtigung gegenüber Deutschland, auch gekoppelt an wichtige wirtschaftliche Interessen, gewachsen. Eine ernsthafte Gefährdung des bundesrätlichen Widerstandswillen mussten die Verschwörer jedoch auch besonders deutlich aus der Radioansprache des Bundespräsidenten Pilet-Golaz am 25. Juni 1940 heraushören. Bezeichnenderweise hatte nur kurz zuvor Marschall Pètain die Kapitulation Frankreichs bekannt gegeben.(65)

Interessant ist, dass die Begründer der Verschwörung zum Teil auch in einer anderen Widerstandsgruppe aktiv waren, nämlich im noch zu erwähnenden Gotthardbund. Außerdem hatten die drei Anführer der Offiziersverschwörung bezeichnenderweise alle hohe Positionen im schweizerischen Geheimdienst inne. Ihnen waren die Gefahren, die der Schweiz sowohl von außen als auch von innen drohten, aus erster Hand bestens bekannt. Major Ernst, der Leiter des „Büro Deutschland“, war ebenso wie Hauptmann im Generalstab Max Waibel, Chef der Nachrichtensammelstelle des schweizerischen Geheimdienstes und Hans Hausamann, Chef des „Büro Ha“, Experte für die Vorgänge in Deutschland.(66) Zusammen mit dem späteren Botschafter R. Lindt und 37 weiteren Offizieren trafen sie sich am 21. Juli in Luzern, wo ein genauer Aktionsplan für den Fall der Kapitulation durch den Bundesrat ausgearbeitet wurde.(67)

Jedoch wurde die Verschwörung bekannt, die Anführer verhaftet. Bezeichnend für den Widerstandswillen wichtiger Teile der Schweiz ist wohl der nun erfolgte Umgang mit den Verschwörern. Der General rügte zwar das geheime Vorgehen, stimmte ihnen aber in der Sache zu, die Verschwörer blieben alle nach Disziplinarstrafen auf ihren Posten.(68)
  ÜBERSICHT

INHALTSVERZEICHNIS

SITUATION DER SCHWEIZ

FORMEN DES WIDERSTANDES
VERTEIDIGUNGSMASSNAHMEN
OFFIZIERSVERSCHWÖRUNG
GOTTHARDBUND
AKTION NATIONALER WIDERSTAND
PRESSEFREIHEIT

GEHEIMDIENSTE UND WIDERSTAND