Journal

Journal for Intelligence, Propaganda and Security Studies

Seit dem 1. Juni 2007 hat ACIPSS nicht nur seinen Newsletter, sondern ein in seiner Ausrichtung wohl einmaliges Magazin, das Journal for Intelligence, Propaganda and Security Studies (JIPSS) anzubieten. Die erste Ausgabe von JIPSS wurde anlässlich der fünften Arbeitstagung von ACIPSS am 1. Juni in Graz vorgestellt. Neben wissenschaftlichen Beiträgen zu den drei Säulen von ACIPSS (Geheimdienste, Propaganda, Sicherheit) gibt es noch folgende Rubriken: Editoral, Interviews sowie Book/Media Reviews. JIPSS erscheint zweimal jährlich und ist bilingual (Deutsch/Englisch) ausgerichtet. Der Bezug ist für ACIPSS-Mitglieder im Mitgliedsbeitrag inbegriffen, für Nichtmitglieder ist ein Abonnement bzw. der Bezug von Einzelheften möglich.

Lesen Sie eine Rezension unseres Journals von Sönke Neitzel auf H-SOZ-U-KULT. Außerdem finden Sie hier ausgewählte Artikel der JIPSS-Ausgabe Vol. 4, No. 1/2010.

Daniel Messner

Volksdaktyloskopie: Das Fingerabdruckverfahren als Überwachungsphantasie zwischen Ausweitung und Widerstand

In the late 19th century the identification of persons by public authorities underwent a radical change. With photography, anthropometry and dactyloscopy, techniques appeared which promised a non-ambiguous and exact identification of criminal offenders and suspects. The basic principle of this technicised identification process was the classification, sorting and storing of the data-collection created by identification techniques, which were part of the new technical and scientific arrangement of police work. This article deals with the question of how the official registration of individuals worked and how identification techniques were negotiated and implemented, for which the example of “Volksdaktyloskopie” (general dactyloscopy) is used. “Volksdaktyloskopie” refers to the idea of taking and recording the fingerprints of the entire population. Many criminalists, such as Alphonse Bertillon or Robert Heindl, expressed their vision of extending dactyloscopy.

On the other hand, police record departments have stored fingerprints of second offenders and asylum seekers since 1902. And that still is the current situation with the Automatic Fingerprint Identification System (AFIS) for convicts and the EURODAC-System for asylum seekers. The “Volksdaktyloskopie” could not be realized yet. A historical perspective of identification techniques demonstrates that extension and resistance are basic elements of the (ongoing) surveillance debates.

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Ron Kenner

Die Spetsnaz der Sowjetischen Armee: Die Rote Elite, von der Spetsnaz-Hysterie der 1980er Jahre bis heute

Anfang der 1980er Jahre sollte sich die tatsächliche oder vermeintliche Bedrohung durch Spetsnaz, die Truppen zur besonderen Verwendung der sowjetischen Armee, im Westen zu einer regelrechten Hysterie entwickeln. Drei Faktoren waren dafür ausschlaggebend: Zum Einen spielten Spetsnaz nicht nur bei der Invasion Afghanistans 1979 eine tragende Rolle, sie wurden auch an vorderster Front zur Bekämpfung des dortigen „konterrevolutionären“ Aufstandes eingesetzt, wo sie sich bewähren sollten; zum Zweiten sollten die Publikationen des GRU-Überläufers Vladimir Rezun (Pseudonym: Viktor Suvorov) zu diesem Thema weite Verbreitung und Beachtung finden; schlussendlich dürfte die Bedrohung durch Spetsnaz der Reagan-Administration als willkommene Rechtfertigung für den Ausbau ihrer eigenen „Low Intensity Conflict“- Kapazitäten gedient haben.

Die Spetsnaz der Sowjetischen Armee wurden in den späten 1950er Jahren als Reaktion auf die Stationierung taktischer Atomwaffen durch die NATO aufgestellt. Sie sollten im Kriegsfall diese Stellungen aufklären und zerstören. Aus dieser Aufgabenstellung heraus entwickelte sich das Konzept eines großflächigen und den Panzerkeilen des Warschauer Paktes vorgelagerten Sabotage-Einsatzes im rückwärtigen Raum der NATO. Nach einer Darstellung des Spetsnaz-spezifischen politisch-militärischen Kontexts und einer Definition sowie des Einsatzprofils von Sondereinheiten beschreibt der Beitrag die Organisationsstruktur, Rekrutierung, Ausbildungsmethoden und Bewaffnung der Spetsnaz. Einen Schwerpunkt bildet der Einsatz der Spetsnaz in Afghanistan, wobei der Schluss gezogen wird, dass sich die Spetsnaz – im Gegensatz zu den konventionellen Streitkräften der Sowjetunion – außerordentlich gut und überraschend innovativ geschlagen haben. In einer abschließenden Betrachtung wird auf die Reduzierung der Spetsnaz-Formationen nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und auf mögliche Verbindungen zwischen Spetsnaz und der Organisierten Kriminalität Russlands eingegangen.

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Siegfried Beer

Der „Spion“ Karl Erwin Lichtenecker: Opfer oder Täter? Eine ambivalente Geschichte

In der Nacht vom 25. zum 26. Februar 1971 wurde der Mitarbeiter des Bundespressedienstes im Bundeskanzleramt, Dr. Karl Erwin Lichtenecker, von der österreichischen Staatspolizei verhaftet. Mitte September 1971 wurde ihm der Prozess gemacht, bei dem er zu zehn Monaten Kerker wegen Spionage nach dem Staatsschutzgesetz von 1936 und wegen eines Verstoßes gegen das Waffengesetz aus dem Jahr 1967 rechtskräftig verurteilt wurde. Er hatte über den tschechoslowakischen Kulturattaché in Wien, der in Wirklichkeit ein Geheimdienstmann war, dem militärischen Auslandsgeheimdienst der CSSR Berichte über politische, wirtschaftliche und internationale Fragen der österreichischen Innen- bzw. Außenpolitik verschafft und soll dafür nicht unbeträchtliche Summen Belohnung bekommen haben.

Der Artikel fußt einerseits auf mehreren Interviews mit Lichtenecker sowie auf dem Gerichtsurteil vom 15. September 1971, und andererseits auf den nun in Prag zugänglichen Akten des tschechoslowakischen Auslandsgeheimdienstes zum Agenten „Atasé“. Daraus ergibt sich ein höchst ambivalentes Bild der jeweiligen Wahrnehmung: des Angeklagten, der zumindest teilgeständig war; des österreichischen Schöffengerichts, das zu einem eindeutigen Schuldspruch kam; und des ausländischen Geheimdienstes, mit dem Lichtenecker zusammenarbeitete. Dieses Bild dürfte für das Spionagegeschäft dieser Zeit insgesamt nicht untypisch sein.

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Stefan Auer

Nationalsozialistische und rechtsextreme Propaganda in Computerspielen – Ein kritischer Überblick

National socialist and right-wing propaganda have found their way into the World Wide Web years ago and so have computer games filled with racist, anti-Semitic and Nazi-glorifying elements. It is the goal of this article to give an impression of the multiple relationships between propaganda and computer games. Therefore, after defining the complex role of this relatively new media for both the individual player as well as for modern societies as a whole and after explaining how propaganda is spread throughout the internet and its communities as well as showing the limits of banning it by national law, several of these products will be described and analyzed on various levels. The focus is set on graphical elements, the acoustic dimensions, old and new ideological contents and of course the specific technical aspects of realization, which are important for successful computer games and effective propaganda. After this the main insights are presented on the questions of reoccurring elements, production settings and how effectively these games fulfill their tasks and functions of spreading ideology. Finally a glimpse on the major new developments in this sector is given, particularly on the trends of modifications,social impacts of multiplayer gaming and historical problems that may arise when replaying and altering the outcome of human history in virtual environments.

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