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Die Schweiz im Zweiten Weltkrieg
Resümee
      Die Rolle der Schweiz während des Zweiten Weltkrieges war vielschichtig. Vom Blickpunkt der Schweizer stand sicherlich immer die eigene Sicherheit, die eigene Unabhängigkeit im Vordergrund. Wie diese aber zu gewährleisten war, darüber waren sich die militärischen und politischen Führer des Landes durchaus nicht immer einig. Dabei standen sich grundsätzlich zwei Gruppen gegenüber: die einen, die davon überzeugt waren, dass es besser sei, mit Deutschland zu kooperieren und sich so einen Platz im neuen Europa zu sichern und die anderen, die bereit waren, bis zum Letzten zu kämpfen, getreu dem Slogan der Aktion nationaler Widerstand, der da lautete: „Als Schweizer leben oder nicht mehr leben.“

Allerdings standen, wie sich gezeigt hat, bei weitem nicht alle Schweizer so eindeutig in einem der beiden Lager wie zum Beispiel Oberst Däniker oder die Frontisten im ersten und die Anhänger der Offiziersverschwörung, des Gotthardbunds oder der Aktion nationaler Widerstand im zweiten. Ein großer Teil der Schweizer hoffte zwar sicherlich auf einen Sieg der Alliierten, war aber auch bereit, Deutschland entgegenzukommen, das heißt bis zu einem gewissen Grad auf Widerstand gegen deutsche Forderungen zu verzichten, wenn sie dadurch einen deutschen Angriff verhindern zu können glaubten. Wo dieser „gewisse Grad“ zu ziehen war, war wohl immer von der jeweiligen außen- und innenpolitischen Lage abhängig.(231)

Ein gutes Beispiel hierfür ist sicherlich die Handlungsweise des Generals, dessen Sympathien zwar eindeutig auf Seiten der Alliierten gelegen haben, wie ja auch sein geheimes Abkommen mit den Franzosen für den Fall eines deutschen Angriffs zeigt.(232) Und obwohl er, wie sein Umgang mit der Offiziersverschwörung belegt, auch eindeutig davon überzeugt war, dass auf alle Fälle erbitterter Widerstand zu leisten sei, bezog sich dieser Widerstand wohl doch nicht auf alle Bereiche der schweizerischen Souveränität und Freiheit. Man erinnere sich nur daran, dass er durchaus bereit gewesen wäre, die Pressefreiheit zu opfern,(233) um einen militärischen Angriff auf sein Land zu verhindern. Sogar die Fliegerabwehr ließ er einstellen, da sie, obwohl erfolgreich, oder eher gerade wegen dieses Erfolges, zu gefährlich für die Schweiz geworden war. Man glaubte, es sich nicht leisten zu können, Deutschland noch weiter zu provozieren.(234) Und vor allem waren da ja auch noch die wirtschaftlichen Interessen der Schweiz, die immer eine wichtige Rolle bei allen politischen und militärischen Entscheidungen gespielt haben.

Auch war Guisan bereit zu tolerieren, dass der Leiter des schweizerischen Geheimdienstes, Masson, enge Verbindungen zu Deutschland pflegte und ging sogar soweit, sich hinter dem Rücken des Bundesrats selbst mit Schellenberg zu treffen. Nachträglich versicherte er selbstverständlich, nur zum Wohle seines Landes gehandelt zu haben und beanspruchte diese Beweggründe auch für Masson. Und sicherlich waren beide auch ehrlich davon überzeugt, ihrer Heimat dadurch einen Dienst erwiesen zu haben. Vor allem Masson scheint wirklich von Schellenberg derart überzeugt gewesen zu sein, dass er glaubte, über ihn im Ernstfall Hitler sogar dazu bewegen zu können, die Schweiz zu verschonen. Wie die Aussagen beider, Guisans und Massons, zugunsten Schellenbergs in Nürnberg belegen, waren sie wohl überzeugt, dass der Deutsche die Schweiz mehrfach geschützt hatte. Und auch falls diese Überzeugung doch nicht ganz so tief gewesen wäre, was konnten sie schon anderes sagen, wenn sie nicht selbst das Gesicht verlieren wollten?

Gleichzeitig gab es im Schweizer Geheimdienst aber auch Männer, die diese Ansichten nicht teilten, ja sogar das Verhalten ihres Vorgesetzten verurteilten und nach dem Krieg die Kampagne gegen ihn unterstützten. Diese Männer waren sehr eng mit der zweiten Gruppe, die für unerschütterlichen Widerstand gegen Hitler eintraten, verbunden. Einige von ihnen, wie Hausamann oder Waibel, waren ja auch Mitbegründer der Offiziersverschwörung gewesen. Eben diese Männer fanden sich dann auch zur Zusammenarbeit mit den Alliierten bereit, standen mit Dulles in Kontakt. Waibels Rolle in der Operation Sunrise zum Beispiel, ist ja im letzten Kapitel ausreichend geschildert worden.

Wichtig für die Betrachtung der Bedeutung der Schweiz sind sicherlich auch die Kontakte, die der deutsche Widerstand über das Land mit den Alliierten zu knüpfen suchte. Dabei sticht vor allem die Rolle von OSS und ihrem dortigen Leiter, Allen Dulles hervor. Denn er war jemand, der, im Gegensatz zu den Briten, bereit war zuzuhören und Verbindungen aufrecht zu halten. Aufgrund dieser Tatsache gelang es ihm dann auch, gegen die Zweifel und den Widerstand seiner britischen Kollegen, wertvollste Informationsquellen in Deutschland aufzutun, wie etwa Wood oder auch die Kontakte zu den „Breakern“. Dass er aber auch seine Kontakte zu „offiziellen“ Stellen zu nutzen wusste, zeigt wohl vor allem seine erfolgreiche „Zusammenarbeit“ mit Wolff in der Operation Sunrise.
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