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| Die Schweiz im Zweiten Weltkrieg Schweizerische Formen des Widerstandes |
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| Pressefreiheit „Die schweizerische Neutralität [ist] lediglich eine Angelegenheit des Staates, nicht der Privatperson.“(77) In diesem grundlegenden schweizerischen Verständnis ihrer Neutralität ist auch die Pressefreiheit verankert. Allerdings fanden sich im Lauf des Krieges viele, zum Teil auch sehr prominente Stimmen, die nicht der Ansicht waren, dass die Freiheit der Presse ein Gut sei, dass unter allen Umständen bewahrt werden sollte. Unter dem Druck des Kriegsgeschehens waren sie bereit, die freie Schweizer Presse zu opfern, wenn sie damit die Sicherheit des Landes zu sichern können glaubten. Und der Druck, von deutscher Seite, war massiv. So massiv, dass vom „Pressekrieg“ gesprochen wird. Deutschland begann diesen „Krieg“ sehr früh. Die meist pro alliierte Haltung der schweizerischen Presse und ihre Verurteilung der deutschen Politik konnte nicht geduldet werden. Vor allem auch, da die Presse eine wichtige Funktion in der Aufrechterhaltung des Widerstandswillens der Schweizer hatte, obwohl doch verschiedene deutsche Stellen spekulierten, die Schweiz von innen „weich kochen“ und danach kampflos, wie man es schon im Fall von Österreich gemacht hatte, übernehmen zu können. Daher versuchten die Nazis schon kurz nach der Machtübernahme 1933 ein Presseabkommen mit der Schweiz zu schließen, was jedoch scheiterte.(78) Daraufhin begannen sie ihren Feldzug gegen die freie schweizerische Presse, die in Deutschland großen Absatz fand, was wohl darauf zurückgeführt werden muss, dass das Verlangen nach weitgehend propagandafreien Nachrichten größer war, als es die Reichsregierung tolerieren konnte. Daher reagierte Berlin mit Verboten verschiedener Schweizer Zeitungen.(79) Gleichzeitig forderte man von Bern Gesinnungsneutralität und obwohl der Bundesrat darauf bestand, dass die Schweizer weiterhin das Recht auf objektive Informationen hatten, führte er dennoch im Frühjahr 1934 das „Pressenotrecht“ ein. Dadurch wurde er ermächtigt, gegen jene Zeitungen vorzugehen, die durch zu scharfe Kritik die Neutralität und die Unabhängigkeit der Schweiz gefährden würden. Am 8. September 1939 wurde dann per Bundesratsbeschluss die Zensur eingeführt.(80) Soviel also zur Devise, die schweizerische Neutralität sei eine Sache des Staates, der einzelne Bürger könne aber nicht dazu gezwungen werden. Deutschland wusste diese Nachgiebigkeit der schweizerischen Regierung in Bezug auf die Presse weiter auszunützen. Immer wieder wurde die „feindliche“ Haltung der schweizerischen Presse als Vorwand für politische, wirtschaftliche oder militärische Erpressung benutzt.(81) Allerdings muss betont werden, dass die von Deutschland propagierte „Blutschuldtheorie“ auch von wichtigen Schweizern mehr oder weniger öffentlich übernommen wurde. Allen voran zum Beispiel der General, der immer wieder stärkere Zensur als Schutz vor deutscher Aggression forderte, also die Sicherheit des Landes vor die Pressefreiheit stellte, oder auch der Chef des Nachrichtendienstes, Roger Masson, der die gleiche Meinung vertrat.(82) In diese Atmosphäre traf die bereits kurz angesprochene Aktion des deutschen Presseattachès Trump, der im Frühjahr 1940 versuchte, durch Erpressung einflussreiche Chefredakteure und Journalisten der wichtigsten bürgerlichen Blätter, der sogenannten „Bollwerke des Widerstands“(83) aus ihren Positionen zu vertreiben, um so das Land stärker nationalsozialistischer Propaganda aussetzen zu können, ohne ihm die Möglichkeit einer objektiven Gegendarstellung zu lassen. Als Trump am 14. Juni 1940 bei einem Dinner hohen Bundesbeamten der Schweiz seine Absichten darstellte, traf er auf keinerlei Widerstand.(84) Selbst der Bundespräsident fand sich nur sehr zögerlich bereit, gegen Trump einzuschreiten. Stattdessen fand Trump aber eine Reihe von Schweizern, die bereit waren, ihn offen zu unterstützen. Im Interesse vor allem der Wirtschaft, die sie durch den deutschen Kohleboykott extrem gefährdet sah, traten diese deutschfreundlichen Politiker und Militärs mit ihrer „Eingabe der 200“ an den Bundesrat und forderten ihn auf, ungeliebte Redakteure, wie von den Deutschen gefordert, zu entlassen.(85) Als diese Eingabe allerdings in der Öffentlichkeit bekannt wurde, löste sie einen „Sturm der Entrüstung“(86) aus. Unter dem öffentlichen Druck wies der Bundesrat die Forderungen der 200 schließlich zurück. Wie bereits erörtert, hielt dies ihn aber nicht davon ab, den Widerstand an anderer Front aufzugeben und unter anderem internierte deutsche Piloten ins Reich ziehen zu lassen. Hilfe fanden diese Vertreter der freien Presse auch von Seiten der Männer, die selbst gerade im Aufbau von Widerstandsgruppen, nämlich des Gotthardbundes und der Offiziersverschwörung befindlich waren.(87) Als sich schließlich auch die schweizerischen Zeitungsverleger mit den Redaktoren solidarisch erklärten, war Trump gescheitert. Entscheidend für die hier angestellten Betrachtungen über den Widerstand in der Schweiz ist allerdings auch, auf wie wenig Widerstandswillen Trump in dieser Angelegenheit bei den höchsten offiziellen Stellen getroffen ist. |
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