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| Die Schweiz im Zweiten Weltkrieg Geheimdienste und Widerstand |
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| OSS und der österreichische Widerstand Der Name dieser österreichischen Quelle wird im Secret War Report allerdings nicht genannt. Alles was hier über ihn zu erfahren ist, ist dass er „gave OSS/Bern the location of the V-bomb laboratory at Peenemuende, and much of the technical information on the rockets”.(188) Es könnte sich bei dieser hier gemeinten Quelle um Kurt Grimm, einen österreichischen Anwalt, gehandelt haben. Er war einer der Ersten gewesen, die Dulles nach seiner Ankunft in Bern aufgesucht und um Mithilfe gebeten hatte, was dieser auch tat, indem er „ran an extensive intelligence service through former law colleagues in Germany and other top-level buisness contacts throughout Occupied Europe“.(189) Im Februar 1943 berichtete er nach Angaben seiner Informanten in der deutschen Industrie, dass „German scientists were working on a secret weapon“(190) und benannte „the barren North Sea peninsula called Peenemünde as the secret test and development site“.(191) Über Grimm hatte Dulles aber naturgemäß auch Verbindung zu anderen Emigranten aus Österreich und mit dem österreichischen Widerstand über die von Hans Thalberg geleitete Verbindungsstelle Schweiz.(192) Eine weitere wichtige Kontaktperson in diesem Zusammenhang war Fritz Molden, der im Secret War Report nur als „K-28“ bezeichnet wird. Er trat mit OSS 1944 als Kurier von „O5“ in Kontakt, wobei die Schweizer einmal mehr als Mittelsmänner dienten,(193) und wurde sehr schnell als wichtige Quelle eingestuft. Der Secret War Report besagt, dass er “did furnish Bern with some of the best intelligence obtained on Austria during the last months of the war”.(194) Auch Dulles selbst zeigte sich rasch von Molden überzeugt. Im Jänner 1945 schon bezeichnete er ihn als „best link to Austrian resistance which we have yet seen [...] his primary desire is to serve as link to Austrian resistance and he therefore desires to work in accord with us, Zulu [British], French and Russians.”(195) Im März berichtete er dann, dass „we can now accept K-28 as fully security checked and as representative of Austria resistance. Despite his youth he is man of striking ability and maturity and has extraordinary knowledge of situation.”(196) Auch die Schweizer zeigten sich an Molden interessiert, allerdings weniger aus Interesse an den Vorgängen in Österreich. Sie hofften über ihn vor allem Informationen über deutsche Truppenbewegungen und die angebliche deutsche Alpenfestung zu erhalten.(197) An dieser Alpenfestung waren aber auch die Amerikaner sehr interessiert.(198) Immer wieder drehten sich Dulles Berichte um neue Hinweise und Gerüchte in diese Richtung. Schon im Oktober 1943 meldete er, dass „beginning last month, defense construction has been under way in valleys of the Austrian Tyrol, to the southward of a line between Imst and Bludenz.”(199) Im August 1944 wurde die Einschätzung der Bedeutung einer solchen Anlage deutlich präziser: „The Nazi theory is that by stationing 1,000,000 troops on the Vorarlberg, Austrian and Bavarian Alps, together with sufficient material, they could resist for a period extending from 6 to 12 months.”(200) Ab Jänner 1945 schien Dulles immer mehr die Möglichkeit in Betracht zu ziehen, dass die Gerüchte wahr wären. So heißt es in der Radiotelephone Transmission No. 270: „The information we get here locally seems to tend more and more to the theory of a final Nazi withdrawal into the Austrian and Bavarian Alps, with the idea of making a last stand there.”(201) Verstärkt wurde dieser Eindruck im Februar durch “Swiss sources“ die „information which they consider reliable that substantial amounts of foodstuffs being collected […], and that some underground factories are being prepared”(202) mit OSS teilten. Im März allerdings begann Dulles ernsthafte Zweifel zu melden: „[...] a critical analysis of reliable data received so far does not indicate that the preparations have as yet progressed very far. There are a number of newspaper articles on the subject, with maps indicating the boundaries of the reduit and generalities about great hidden stores of provisions, about the preparation of underground factories, and the like. Much of this is probably fiction or at least it is not proved as yet by reliable evidence.”(203) Den wichtigsten Dienst leistete Molden allerdings mit Sicherheit seiner Heimat Österreich, indem er Dulles von der Existenz einer großen, komplexen, geeinten österreichischen Widerstandsorganisation überzeugen konnte.(204) Neben Molden gab es in der Schweiz aber natürlich noch andere Österreicher, die nützliche Informationen lieferten. Einer von ihnen war Wilhelm Bruckner, der für den Nachrichtendienst des Kantons St. Gallen unter Konrad Lienert arbeitete. Bruckner und der von ihm im Oktober 1944 gegründete „militärische Wehrverband Patria“ sahen jedoch „die Gruppe Molden als Gegner“(205) an. Soviel also zum gesamtösterreichischen, geeinten Widerstand. Schon im Jahr vor dem Auftauchen von Molden, also Ende 1943, hatte OSS Kontakt mit österreichischen Widerstandskämpfern, sowohl über Bern als auch über Istanbul. Diese Gruppe bestand zum Großteil aus Sozialisten und Kommunisten. Im März 1994 kam laut Secret War Report schließlich „the leader of the group, Oysters“ in die Schweiz wo er „a wide variety of contacts in industry, government, commerce and police, even to top-ranking Gestapo officials” hatte und übergab OSS “a quantity of valuable information”.(206) Auch “Oysters” Name wird im Secret War Report nicht genannt. „Oyster“ war jedoch einer der beiden Codenamen von Franz Josef Messner. Diese Informationsquelle versiegte schließlich, als die Gruppe „due to OSS indiscretions in Turkey, plus data secured by the Germans when they occuied Budapest“(207) aufflog und viele ihrer Mitglieder verhaftet wurden.(208) Über Messners Verhaftung berichtete Dulles am 8. Mai 1944: „The possibility that he may be a Nazi by ideology or temperament is one which I discount. 840`s [Messners] arrest does not seem to be a trick.”(209) und am 16. Mai bestätigte er: “there can be no doubt as to the arrest of 840 […] further contact with this group would be dangerous”.(210) |
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